Vater kennenlernen brief

Weil Salomon findet, dass Kinder manchmal ziemlich weise Dinge sagen, wollte er einem dieser Kinder eine Stimme geben. Das Kind sollte von sich und seiner Sicht auf die Welt erzählen und Salomon wollte das Erzählte aufschreiben, frei von Interpretationen, frei von Wertungen. Jonas nahm den Auftrag ernst. Ein ganzes Jahr lang traf er sich wöchentlich mit dem Verleger und redete mit ihm, stundenlang.

Franz Kafka - Vater-Sohn Verhältnis (Brief an den Vater) - Abitur Deutsch

Aber nicht so, wie Erwachsene mit Erwachsenen sprechen. Wer Jonas nur fünf Minuten lang erlebt hat, kann sich das gut vorstellen. Aber dann seien sie eben doch immer gekommen, jene zehn Minuten, in denen Jonas ihm das Leben erklärt habe, erzählt Verleger Bernhard Salomon. Und vor allem: Nach etwa einem Vierteljahr Reden, meint Jonas sich zu erinnern, sei die Idee entstanden, kein normales Buch zu schreiben, sondern einen Brief an seinen Vater, nur eben in Buchform.

Immer wieder hatte Jonas zuvor dem Verleger, zu dem sich über die Wochen eine Freundschaft entwickelt hatte, auch von seinem Vater erzählt. Von jenem Mann, den er fast nie sieht und der ihm doch unendlich viel bedeutet. Plötzlich wirkt Jonas gar nicht mehr so cool, wie er da in dem Sessel hin- und herrutscht und versucht, seine Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen. Und dann, nach kurzem Schweigen: Bei dreien davon gibt es gar keinen Kontakt, bei dem vierten ist der Vater tot, der ist bei einem Autounfall gestorben.

Bei mir ist es so ähnlich.

Leiblichen Vater kennenlernen?!

Ein knallharter Satz. Und ein Satz, der einen Nerv trifft. Das Fernsehen, Radiosender, Zeitungen und Magazine in Deutschland und in Österreich wollen mit dem Jungen reden, der stellvertretend für viele ausspricht, wie es ist, mit nur einem Elternteil aufzuwachsen. Die Eltern von Jonas, erfährt man von der Mutter, haben sich bereits vor der Geburt des Sohnes getrennt. Es war deutlich weniger, als sie sich wünschte und vielleicht auch erhofft hatte.

Doch Groll oder gar Feindschaft baute sie deshalb nicht auf, sondern sie versuchte, das Wenige, was ihr und ihrem Sohn angeboten wurde, gelingen zu lassen.

Kindern eine Stimme geben

Viele Jahre sei der Vater bei Jonas kaum Thema gewesen, erzählt sie, vielleicht auch, weil es viele andere männliche Bezugspersonen in seinem Leben gegeben habe. Doch in den vergangenen ein, zwei Jahren sei das Thema sehr wichtig für Jonas geworden. Je besser man verwurzelt ist, desto besser steht man. Was die Geschichte von Jonas so anrührend macht, ist aber auch das Ziel, das der Zehnjährige verfolgt. Sein Brief ist eine Einladung an den Vater, ihn besser kennenzulernen — am liebsten gleich zu Weihnachten. Ein Weihnachtsfest mit der ganzen Familie, das wäre einfach perfekt, findet Jonas.

Oder am Damit es zu dem Treffen kommt, will Jonas den Vater mit seinem Brief neugierig machen, ihm zeigen, dass dieser stolz sein kann auf seinen fantasievollen, schlauen und unkonventionellen Sohn.

Portal für Hotellerie, Gastronomie, Lieferanten & Online Preisvergleiche

Es zeigt, wie Kinder im Alter von rund zehn Jahren die Welt wahrnehmen, was ihnen wichtig ist und was weniger wichtig. Doch immer wieder scheint das Vaterthema durch, wird der Vater direkt angesprochen. Jonas versucht, sein eigenes Leben aus der Perspektive des Vaters wahrzunehmen und macht sich darüber Gedanken, wie das Leben des Vaters wohl aussieht. Dass aus dem Buchprojekt ein Brief an den Vater wird, hat übrigens selbst die Mutter erst im letzten Moment erfahren.

Dann jedoch sei sie zu dem Schluss gekommen, dass alle Beteiligten nur gewinnen können — und Jonas schon jetzt gewonnen hat. Es ist nun schon ein wenig her, dass Jonas seinem Vater sein Buch geschickt hat, das eigentlich ein Brief ist. Per Post, im gepolsterten Umschlag. Eine Antwort hat Jonas noch nicht erhalten.

Vielleicht braucht es noch einen Moment, bis der Vater begreift, welches Geschenk Jonas ihm gemacht hat. Deinen Vornamen spreche ich nicht aus. Du fragst dich sicher, warum ich dir jetzt einfach schreibe, noch dazu so einen langen, langen Brief. Das hat einen Grund, und der hat damit zu tun, dass wir uns bei dieser Hundeausstellung getroffen haben, an diesem Samstag im November vor einem Jahr.

Ich habe meinen Vater nie kennengelernt – das ist mein Brief an ihn

Es kam mir eher wie ein Zufall vor. Meine Mutter fuhr mit unseren Hunden zu der Ausstellung, und ich kam mit. Erst als wir schon unterwegs waren, sagte sie mir, dass du mit deinem Hund wahrscheinlich auch dort sein würdest. Wahrscheinlich hat sie es mir nicht früher gesagt, damit ich nicht enttäuscht bin, wenn dann doch nichts daraus wird. Vor dem Haupteingang der Ausstellungshalle liefen wir einander über den Weg, du, meine Mutter und ich. Ich habe mich sehr gefreut, und das mit dem Hirschgeweih, das du mir bei einem Telefonat versprochen hattst, war mir total egal.

Eine Sache war allerdings ein bisschen seltsam: Ich hatte dich mit kurzen schwarzen Haaren in Erinnerung. In Wirklichkeit hattest du längere graue.

Brief an meinen Vater

Du hast gut ausgesehen, aber eben anders, als ich dich in Erinnerung hatte. So standen wir ein paar Sekunden da, du mit deinem Pinscher an der Leine. Du hast nichts weiter gesagt, und ich auch nicht. Dann hast du dich einfach verabschiedet und bist gegangen. Keine Ahnung, warum du das gemacht hast. Musstest du irgendwo hin? Warst du in Eile?

Muster brief kennenlernen

Oder bist du einfach so gegangen? Ich sehe dich nie, dann tauchst du auf und verschwindest wieder. Ich habe Glück und Freude gefühlt, als du da vor der Halle der Hundeausstellung aufgetaucht bist, und als du wieder verschwunden bist, habe ich das Gegenteil von Glück und Freude gefühlt. Ich habe mit meiner Mutter auf der Rückfahrt darüber gesprochen. Ich habe dich, wenn das stimmt, da noch nie ganz verstanden.

Für mich braucht kein Vater Angst vor seinem Sohn oder seiner Tochter zu haben. Es ist allerdings auch schwer, jemand anderen ganz zu verstehen, denn alle Menschen sind anders.


  1. bekanntschaften kempten;
  2. partnersuche online schweiz.
  3. singletanz sachsenring.
  4. Vater kennenlernen brief. Karl Marx: Brief an den Vater.
  5. Leiblichen vater kennenlernen | Orciny Press.
  6. online partnervermittlung statistik?
  7. sz bekanntschaften münchen;

Alle leben in ihrer eigenen Welt, machen ihre eigenen Erfahrungen und wissen nicht, wie es ist, andere Erfahrungen zu machen. Noch dazu haben alle andere Sinneswahrnehmungen.


  • ander woord flirten?
  • Vater Kennenlernen Brief Karlsruhe Leute Kennenlernen;
  • Vater kennenlernen brief.
  • Brief kennenlernen schreiben.
  • ;
  • Vater kennenlernen brief, kennenlernen / kennen lernen | Neue Rechtschreibung – millectbottody.ga.
  • Ich mag Cornflakes, aber jemand anderer findet sie vielleicht schrecklich. Alle haben andere Charakterzüge.

    Brief an meinen Vater - Familie - Berliner Morgenpost

    Alle haben auch unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft. Jeder hat seine eigene Vergangenheit, seine eigenen Hoffungen und eben auch seine eigenen Ängste. Das ist auch gut so, denn wären alle gleich und wüsste jeder, was in den anderen vorgeht, wäre das Leben irgendwie dumm.

    Dann würde einer zum Beispiel sagen: Im Jahr kommen die Drachen. Der andere würde ganz gelangweilt antworten: Alle würden das Gleiche denken, das Gleiche tun und das Gleiche erleben. Jeder, der versucht, Menschen gleichzumachen, muss scheitern, denn jeder Mensch ist einzigartig. Dadurch kann jeder etwas anderes erzählen, jeder kann sich andere Vorstellungen machen von dem, was er gehört hat, und jeder kann sich auf seine eigene Weise entwickeln und hoch in die Welt hinauswachsen.

    Das Dumme daran ist nur, dass es uns deshalb eben ein bisschen schwerfällt, einander ganz zu verstehen. Würden wir jemanden ganz verstehen wollen, müssten wir eigentlich für eine Weile mit ihm Körper tauschen, und selbst dann würde es nicht funktionieren.

admin